Raabenwolle

„Schmidts Katze“, Drechslerei Kurt Hübner

Auf der allseits bekannten Kleinanzeigenplattform fiel mir schon ein, zweimal ein außergewöhnliches Rad mit einer A-förmigen Silhouette  auf – bevor ich das alte Schätzchen jedoch kaufen konnte, war es schon weg… Und auch die Nachfrage bei der Verkäuferin brachte mir keine genauen Infos über Hersteller oder Herkunft. Sicher war nur: es war kein Einzelstück: zwei davon hatte ich bereits zuvor online gesehen. Was war das also für ein Rad gewesen?  

Als eine meiner Spinnfreundinnen dann zu unserem Treffen mit einem verblüffend ähnlichen Rad auftauchte, war meine Neugier wieder geweckt. Ein Foto des Rädchens half mir bei meiner Internetsuche weiter: dieses Rad war von der Drechslerwerkstatt Kurt Hübner in Erfurt hergestellt worden. Die Kontaktdaten herauszufinden, war dann ein Klacks: und einen Anruf später bekam ich dann auch die Antworten, nach denen ich suchte.

Herr Hübner erzählte mir, dass er ein älteres Spinnrad vor vielen Jahren von einer Kundin zum Nachbau bekommen habe. Dieses Rad muss eines von denen gewesen sein, die ich im Netz gesehen hatte. Er könne nicht sagen, wer der ursprüngliche Erbauer gewesen sei – es sei damals schon recht alt gewesen, wahrscheinlich nach dem Krieg gebaut. Es sei nicht signiert gewesen und so habe er es im Prinzip einfach aus Buchenholz nachgebaut und dabei nur ein paar kleine Veränderungen vorgenommen. Ob ich noch eines haben wollte – er würde die Produktion bald einstellen. Zwei, drei Unfertige wären noch da… es würde aber dauern.

Na klar wollte ich! Und so kam dann im Mai 2021 ein fettes Paket mit der fix und fertig zusammen gebauten „Katze“ an und ich war schwer angetan von Konstruktion und Verarbeitung! Was ein schönes Rädchen! Und es spann so schön und gleichmäßig und machte seinem Namen alle Ehre: es schnurre wie „Schmidts Katze“!

Nach ein wenig Testspinnen war mir klar: ein tolles Anfängerrad zu einem tollen Preis mit hervorragender Verarbeitung. Nur eines störte mich: das extrem schmale Trittbrett. Und so half mir ein holzversierter Bekannter, ein neues, breiteres Trittbrett zu machen und an dem veränderten Trittholm einzubauen. Ein wenig knifflig, doch wir haben es gemeinsam geschafft!

Dann kam mir noch die Idee, das Rad zu weißen und ein wenig „chabby chic“ zu machen: ich hatte einfach Lust auf ein helles, fast weißes Rad. Und ich finde, der Aufwand hat sich gelohnt: es ist wirklich hübsch geworden und der neue Look passt wunderbar zu der zeitlos-modernen-und-dabei-schlicht-schicken Bauweise des Rades.