Omana Industries Ltd. „Pixie“ (syn: „Sleeping Beauty“)
Im Februar 2026 fand die liebe Barbara aus Berne meine Homepage, weil sie nach Infos zu Ihrem Spinnrad suchte, welches eine kleine Plakette der Firma Omana, Neuseeland, trägt: „Sleeping Beauty“ steht darauf… und das Internet fand meine Homepage-Seite zum Schwesterrad „Jenny“. Und Barbara fand mich 🙂 Ich war begeistert, dass sie mich treffen wollte, um mit mir die kleine „Pixie“ wieder fit zu machen!
Viel zu tun gab es den Tag allerdings nicht: die kleine Lady wies zwar Wasserflecken und trockene Stellen in der der Oberfläche auf, doch mit etwas offenporiger Lasur oder Holzwachs sollte das -nach einer gründlichen, vorherigen Reinigung- kein dauerhaftes Thema mehr sein. Außerdem riet ich Barbara, alle beweglichen Teile (bis auf die Achse des Schwungrades) mit etwas Wälzlagerfett zu versorgen – und vorher die Metallteile mittels feinem Schleifpapier zu entrosten. Dann noch fix das Knechtleder ersetzen… und schon erstrahlt die kleine Lady wieder wie neu, da war ich mir sicher.
Den Namen der Vorbesitzern fanden wir überraschenderweise beim Auseinanderklappen des Standholmes – nach dem Lösen der vorderen Flügelmutter teilt sich der Standholm und man kann den Kopf nach rechts herunter lassen. Die (noch fehlende) Lederschnur dient also nicht nur zum Tragen des Rädchens sondern auch zum Begrenzen der Klappbewegung. So kann der Spinnkopf nicht auf dem Fußboden aufschlagen und Schaden nehmen. Was jedoch die alte Anschrift der Vorbesitzerin angeht, möchte ich hier nur anmerken, dass es die alten, 4-stelligen Postleitzahlen seit dem 1. Juli 1993 nicht mehr gibt… das „Pixie“ muss also schon vorher im Besitz der Handwebmeisterin gewesen sein.
Einen neuen Antriebsriemen benötigte das Rädchen übrigens gar nicht: die originale Baumwollschnur war noch pikobello! Was für eine tolle handwerkliche Qualität diese Räder haben: die Haptik des Holzes tat bei mir dann ein übriges, um mich gleich in die Lütte zu verlieben…
Liebe Barbara, ich bin -zugegebenermaßen- kein klein wenig neidisch auf diese Schönheit 🙂 Pass gut auf das kleine Schätzchen auf – und hab´ ganz viel Freude damit!
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Hersteller:
Omana Industries Limited / „Manufacturers of Sleeping Beauty Craft Products“
29 Keeling Road, Henderson / P.O. Box 21-233 / Auckland / New Zealand / Tel. 09-836-4685
(die Firma existierte von 1982 bis August 1987 – dann wurde sie von Ashford aufgekauft)
Modell „Pixie“
Antrieb: einfädig, spulengebremst, Einzeltritt
Schwungraddurchmesser: 38,5 cm
Abmessungen: 74 cm Höhe x 38,5cm Breite x ca. 32cm Tiefe
Gewicht: ca.4,5 kg
Holz: vermutlich neuseeländisches Tawa (#)
Farbe: Natur, lasiert
Spinnflügellager: Kunststoff
Spulen: Kapazität: ca. 100 Gramm / Spulenkern besteht aus durchgehender Messingröhre (keine Lager)
Standholm: mittels Flügelmutter klappbar
Tragriemen: dicke Lederschnur, welche links und rechts mittels Schraube am Standholm befestigt war (sie Flyer)
(#) Tawa ist der Name für einen aufrechten, breitblättrigen und immergrünen Baum, der bis zu 30 Meter hoch und sehr alt werden kann. Der Stamm dieses Baumes ist dunkel gefärbt und glatt im Aussehen, kann aber u.U. über und über mit Flechten bedeckt sein. Die pflaumenfarbigen Früchte, die sich im März/April entwickeln, sind etwa so groß wie eine Olive und werden von Kereru-Vögeln gegessen. Die Größe dieser Früchte und der Kerne bedeutet, dass nur diese neuseeländischen Taubenvögel in der Lage sind, die Samen zu verbreiten. Sie allein können die Früchte fressen und die Samen unversehrt wieder auszuscheiden, um so den Baumbestand weiter zu verbreiten.
Tawa ist ein hartes Spezialholz, das nie in großen Mengen produziert wurde. Die langen Vogelspeere der Maori wurden in vor-europäischer Zeit aus Tawa hergestellt, da man das Holz in lange, gerade Holzschäfte spalten kann. Es ist geruch- und geschmacksneutral. Diese Hölzer haben einen Platz in der Lagerung und Verpackung von Lebensmitteln gefunden. Butterkannen wurden in der Kolonialzeit wegen der geschmacksneutralen Eigenschaften aus Tawa hergestellt. Auch für Fußböden, gedrechselte Griffe und Möbel wurde es verwendet. Und für Spinnräder 🙂
„Sleeping Beauty“ übersetzt man sich leicht wortwörtlich mit „schlafender Schönheit“. Doch gemeint ist natürlich das bekannte Märchen „Dornröschen“ der Gebrüder Grimm, welches also auch in Neuseeland bekannt ist. Und auch viele andere Märchen, wie wir gleich noch erfahren werden!
Nachschub (m)einer kleinen Infobox: die Chronologie des Herstellers „Omana Industries Ltd.“
1960: Der Name „Sleeping Beauty“ ist wohl auf den ersten Namensgeber, Mr Alex Baille aus Auckland, zurückzuführen. Er bemerkte Mitte der 1960er Jahre ein gestiegenes Interesse an „Dornröschen“-Spinnrädern und entwarf ein Spinnrad mit zweifädigem Antrieb. Zu dieser Zeit produzierte Ashford bereits erfolgreich (seit 1942) Spinnräder, die jedoch einfädig und mit schottischer Bremse ausgestattet waren – und vielleicht wollte er daher einfach ein zweifädiges Rad herstellen. Auf der Grundlage eines Rades, das der verstorbene Inhaber von „The Wheel and Loom“, Mr. Jean McDonell, Auckland, ihm verkauft hatte, entstand das erste Spinnrad nach Sächsischer Bauart (im englischsprachigen Raum auch oft kurz „Saxony“ genannt), welches unter dem Namen „Sleeping Beauty“ vermarktet wurde.
Teile davon wurden bei der Firma „Woodturners NZ Ltd.“ hergestellt. Die Räder wurden dann mit Hilfe des Geschäftspartners Ross Maxwell zusammen gebaut und verkauft.
1970: bis Anfang des Jahres 1970 wurden nur ca. 40 Räder produziert, dann starb Ross Maxwell. Später wurden sie von seinem Nachfolger Roy Coop zusammengesetzt, der neuer Geschäftspartner von Mr. Baille wurde. Dann wurden weitere Räder entwickelt und gebaut: das kleine, tragbare „Thumbelina“ (also: Däumelinchen), dann die „Serena“ die mit einem Antriebsrad aus Spanplatte hergestellt wurde.
1977 kam der „Princess Indian Spinner“ hinzu: ein Spinnrad, welches für dicke Garne ausgelegt war.
1979 kam die zusammenklappbare „Pixie“ heraus, welche mittels Tragegurt mitgenommen werden konnte. Dieses Modell scheint jedoch nie in große Serie gegangen zu sein…
(Zitat nzspnnngwheelsinfo: The Pixie was a little folding wheel with a solid drive wheel and a carry strap, made by Sleeping Beauty. It was advertised it in The Web in November 1979 but Alex Baillie says he never produced more than a prototype, so the few surviving examples may date from the early 1980s when the company was owned by Fisher and Paykel Finance.)
Außerdem gab es im Programm noch eine „Snow White“-Rotationskarde („Schneewittchen“) und ein 24-Zoll-Tischwebstuhl namens „Cinderella“…
1978: Diese Modelle wurden zu 70% nach Kanada, Großbritannien, Australien, Holland und Japan verkauft – der Preis für ein Rad lag 1978 bei 105,60 NZ$.
1982: Roy Coop erkrankte und das Unternehmen „Baille and Watts“ wurde an „Fisher and Payne Finance“ verkauft, die es in „Omana Industries Ltd.“ umbenannten und eine Broschüre herausbrachten, auf der das erste „Sleeping Beauty“- Spinnrad, dann das „Thumbelina“ , die „Jenny“, das „Pixie“ und zuletzt der „Princess Indian Spinner“ zu sehen sind. Das Dornröschen-Rad und die „Jenny“ sind Ziegen nach sächsischer Bauart, die anderen drei Bockräder.
1983: Im Juli kaufte Ray Chrisholm das Unternehmen und fusionierte es mit dem ebenfalls kürzlich von Phlip Poore gekauften Unternehmen „Pipycraft“. Die „Omana“-Broschüre verwendete er wohl weiterhin.
1987 wurden die zusammengelegten Unternehmen an „Ashford“ verkauft.
Quelle: nzspinnngwheelsinfo(dot)wordpress(dot)com
Nun wird klar, warum viele Personen, die Fotos von dem Rad im Internet online stellen, auch dieses Modell fälschlicherweise als „Sleeping Beauty“ benennen. Steht es doch auf dem kleinen Metallschild, welches am Hauptbrett des Rades angenagelt ist, so vermerkt. Korrekt ist jedoch, das „Omana“ alle Räder ihrer Kollektion so betitelt haben: sozusagen als Überschrift, als zusammenfassenden Begriff der angebotenen Kollektion. Die Fußzeile des Briefkopfes der Omana Ltd. trägt jedoch zur Aufklärung bei, denn dort steht der Firmenslogan vermerkt: „Manufacturers of Sleeping Beauty Craft Products“ (in etwa: Hersteller von Dornröschen-Kunsthandwerk-Produkten). Somit erklären sich auch die anderen Bezeichnungen der Produkte, denn sie wurden deutschen Märchentiteln entlehnt.