Raabenwolle

altes Bockrad aus Süddeutschland

Diese Spinnrad brachte mir eine Kursteilnehmerin zum Jahresende ´22 mit, damit ich es mir mal anschauen sollte: ob es noch spinnbar sei?

Ja, es spinnt – ein anderer Treibriemen reichte für den ersten Spinntest. Wenn Maike es nun noch richtig zusammen leimt, die rostigen Teile säubert und fettet, das Holz des Rades noch mit Klarwachslasur behandelt, wird es ein echtes Spinnschätzchen.

Und da ich solche Räder bisher nur aus Büchern kenne und leider zu wenig darüber weiß, will Maike nun den Besitzer des Rades nach seiner Herkunft fragen. Und vielleicht -das wäre wirklich schön- schreibt er die Geschichte dieses Rades auf. Und ich könnte sie Euch hier online stellen – das wäre dann geradezu phantastisch!

Was ich jetzt schon sagen kann ist, dass mich das quer liegende Trittbrett schon immer fasziniert hat – denn üblicherweise ist das Trittbrett ansteigend zur Fußspitze des Spinnenden angebracht und mündet (über eine Knechtverbindung) in die Knechtstange. Auch die anderen Details sind sehr interessant! Die Spannschraube für den Antriebsriemen sitzt senkrecht zwischen den -die Radachse haltenden- Standhölzern. Und der Spinnflügel ist aus einem Stück geschmiedet – die beiden Flügelarme haben unterschiedlich große Durchmesser für die Fadenführung ausgearbeitet. Außergewöhnlich ist auch, dass die Knechtstange sich auf der Seite des Spinnenden befindet – meines Wissens nach hat man diese Bauartform in Bayern und Österreich insbesondere bei Langrädern (sogenannte „Ziegen“) bis heute beibehalten*.

 *Wer mehr über Spinnäder und Ihre Herkunft erfahren will, dem sei  das Buch von Sigrid Vogt „Geschichte und Bedeutung des Spinnrades – in Europa“, Sharker Media, ISBN 978-3-86858-074-7 wärmstens empfohlen.