Viele von Euch, die an meinen Kursen teilnehmen, fragen mich „wer denn noch so etwas Ausgefallenes wie das Verspinnen von Wolle“ bei mir hat lernen wollen? Offensichtlich hatte nicht nur ich in meiner Anfangszeit den Eindruck, ich sei (weit-und-breit) allein mit diesem außergewöhnlichen Hobby… ihr scheint das heute ganz ähnlich zu empfinden wie ich vor gut 15 Jahren.
Also versuche ich immer zu erklären, dass es auf den ersten Blick ein sehr selten betriebenes Hobby zu sein scheint – sich aber immer mehr Menschen dafür interessieren. Und zwar quer durch alle Altersstufen. Mein jüngster Teilnehmer (jawohl, männlich) war erst 8 Jahre alt – konnte aber schon stricken, weil er es von Oma gelernt hatte. Und er erklärte mir, später Pullover selbst entwerfen zu wollen; aber bisher spare er noch auf seine erste Strickmaschine. Meine älteste Teilnehmerin war Handwebmeisterin: mitten in ihrem 80zigsten Lebensjahrzehnt wolle sie jetzt endlich gern mal ihre eigene Wolle verweben. Dazwischen gibt es keine Tendenz, in welchem Alter die meisten Frauen zu mir kommen – aber alle wollen sich Zeit nehmen, etwas mit den Händen tun, zur Ruhe kommen und dabei kreativ sein. Und ja, es sind gefühlt 98% Frauen, die zur mir kommen. Viele von Euch stricken, häkeln oder sticken schon lange und haben daher den Wunsch, die eigene Wolle verarbeiten zu wollen. Doch auch die Männer beschreiben mir sehr ähnliche Wünsche…
Dann gibt es diejenigen unter Euch, die sich fachlich interessieren – und/oder selbst Schafe/Alpakas/Ziegen/Langhaarhunde besitzen und deren Wolle nutzen wollen, „weil wegwerfen doch eine Schande ist“. Ihr findet Gefallen an der Vielfalt der Fasern und bedenkt den ökologischen Nutzen eines vielseitigen Rohstoffes, der ohnehin zur Verfügung steht und genutzt (statt weggeworfen) werden sollte. Und manche von Euch sind -im weitesten Sinne- beruflich mit der Wolle verbunden.
Und Ihr würdet gern heimische Wollfasern wieder mehr wertgeschätzt und genutzt wissen, denn, so seid Ihr Euch einig, das hätte dieser vielseitige Rohstoff mehr als verdient!
Und wenn ich Euch nun sagen sollte „wer noch sowas Verrücktes“ lernt?
Dann müsste ich tief Luft holen und Eure Berufe und Berufungen aufzählen – denn Ihr seid Allgemeinmedizinerin, Altenpflegerin, Angestellte, Apothekerin, Archäologin, Biologin, Büroangestellte, Betriebshofleitende, Ergotherapeutin, Finanzbuchhalterin, Gambistin, Garten- und Landschafts-Bauerin, Gärtnerin, Grundschullehrerin, Gymnasiallehrerin, Handwebmeisterin, Hausärztin, Innenarchitektin, Kindergärtnerin, Musikprofessorin, Köchin, Küchengehilfin, Kosmetikerin, Kostümbildnerin, Landwirtin, Logopädin, Märchenerzählerin, Mathematikerin, Mikrobiologin, Nebenerwerbslandwirtin, Notärztin, Pferdehalterin, Pferdezüchterin, Postbeamtin, Psychologin, Redakteurin, Rentnerin, Sängerin, Schafhalterin, Schafzüchterin, Seifensiederin, Studentin, Systemischer Coach, Teilzeitvater, Tierpflegerin, Vollzeitmutter, Werbetechnikerin, Yogalehrerin und Zahnärztin… und noch so vieles mehr.
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