Nachdem wir nun eine ganze Zeit „Oskar“ auf unserer Schafweide als Gast zu Besuch hatten, konnte ich feststellen, dass diese vier Böcke eine harmonische, kleine Herde bilden… Auch nachdem „Oskar“ zu den Damen gezogen war, hatte ich in dieser Hinsicht viel Freude mit meinen verbliebenen drei Widdern – die ebenfalls gut harmonierten. Alles war also gut… eigentlich.
v.l.n.r.: „Benito“, „Ramirez“, „Belami“ – und „Shrek“ 🙂
Doch irgendwie ging mir der kleine, freundliche, braune Bock nicht aus dem Sinn, den Björn und ich bei Jasmin gesehen hatten. Klein und fast zart im Körperbau, ein schönes fuchsbraun und dazu ein toll gewachsenes Gehörn. (Ein bisschen erinnerte mich seine Farbe und seine Sanftheit an meinen allerersten Bock „Norbert“.) Als Halbbruder von „Ramirez“ wäre er ebenfalls von guter Abstammung und somit eine gute Wahl gewesen. Doch der kleine Schatz hat leider nicht die Führungsqualitäten, die ich für meine beiden Rüpel „Benito“ und „Belami“ so dringend gebraucht habe. Also hatten wir uns für „Ramirez“ entschieden und den Halbbruder bei Jasmin gelassen.
Der Weggang von „Oskar“ hat jedoch gezeigt, dass ein rangniederes Tier in meiner „boygroup“ einen entscheidenden Unterschied macht: die Gruppe bekommt nochmals mehr Stabilität und Ruhe, als wenn es „nur“ drei Schafe sind. Die vorsichtigen Tiere teilen sich den Posten des Bewachers gleichmäßiger untereinander auf, was beim Grasen und Lagern zu deutlich mehr Gleichmut und Gelassenheit führt.
Und: wir waren immer noch etwas verliebt in den hübschen Braunen und hingen dem Gedanken, ihn nicht mitgenommen zu haben, mit Bedauern nach. Als die Rückführung von „Oskar“ zu Jasmin anstand, haben wir uns recht kurzfristig entschlossen, den lieben Kerl mit nach Haus zu uns zu holen… die Weide ist schließlich groß genug! Heu haben wir auch genug eingelagert und Winterhafer ist auch kein Thema, so argumentierten wir… okay, also gab es praktischerweise kein Gegenargument mehr…
So zog „Shrek“ Anfang Dezember bei uns ein; kurz vor dem Dunkelwerden kamen wir mit ihm an der Weide an. Daher war auch kaum „herum-gerenne“ und „herum-geknuffe“ zu verzeichnen: die früh einsetzende Winter-Dunkelheit machte dem schnell ein Ende. Und da „Ramirez“ und „Shrek“ sich ganz offensichtlich wiedererkannten, sind sie schnell wieder ein gutes Team geworden.
Es ist schon erstaunlich, dass die Skudden (egal ob Böcke oder Auen) sich so sehr an ihnen bekannte Tiere halten: denn obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass sie einen Bruder (oder z.B. Ihre Mutter) als Familienmitglied in menschlichen Sinne erkennen, suchen sie doch immer die Nähe zu anverwandten Tieren. So stehen „Benito“ und „Belami“ (als Halbbrüder) ganz häufig nah beisammen – und auch „Ramirez“ und „Shrek“ suchen vorzugsweise die Nähe des jeweils anderen. Selten bilden sie andere Paarungen… Daher denke ich, sie suchen instinktiv nach engeren Verwandten. Womöglich verrät Ihnen der Geruch mehr über die Genetik des anderen… oder sie agieren einfach ähnlicher, als andere Tiere in der Herde – als wer weiß das schon? Sie scheinen sich jedenfalls besser „zu verstehen“ als andere, nicht miteinander verwandte Schafe. Meine Beobachtungen bestätigen meine Theorie auf jeden Fall immer wieder.
Und nun bin ich letztlich ziemlich froh, den hübschen Kerl bei uns zu haben!
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