Raabenwolle

Louët „S15“

Die liebe Nina hat im Januar 2026 ein Louët S15 gekauft und kam damit zu mir…

Die Niederländische/ Holländische Firma Louët stellt seit 1974 diese -oft kopierten- sehr stabilen Spinnräder her. Optisch sehr ähnlich sind insbesondere die Räder der „S-10“ Reihe, welche im Namen später statt der „Null“ eine andere Ziffer führten (also weiterführend nummeriert wurden) und manchmal auch eine zusätzliche Buchstabenkombination (je nach technischen Ergänzungen, wie z.B. ein Doppeltritt) erhielten.

Das „S15“ war die unbehandelte Version des „S10“, welches von 1982 bis 2001 produziert wurde. Es war von 1984 bis 1992 auch als Bausatz erhältlich. Von 1998 bis 2001 war das „S15“ mit Doppeltritt unter dem Modellnamen „S15 DT“ erhältlich – und natürlich auch wieder als Bausatz käuflich.

Das „S15“ unterscheidet sich vom älteren „S10“ optisch nur wenig. Beim genaueren Hinsehen fällt zunächst die fehlende, so typische kreisrunde Aussparung im Multiplexschwungrad auf.  Das Trittbrett hat eine andere Form und das Knechtholz ist ein runder Stab. Der Spinnflügel bzw. der Spinnkopf scheint mir unverändert übernommen worden zu sein – doch die Spulen haben (bei Ninas Modell) Lagerbuchsen aus schwarzem Kunststoff. Die Spulen haben zwei unterschiedlich große Wirtelscheiben, so dass zwei unterschiedliche Übersetzungen möglich sind. Der Spulenhalter / die Zwirnhalterung ist jedoch -wie beim „S10“- ein Metallrahmen, welcher unten links ins vordere Standholz eingesteckt wird.

Über das „S10“ habe ich ja schon ausführlich geschrieben (lest gern nach) und da Nina eine echt enthusiastische Spinnanfängerin ist, bot ich ihr an, ein paar kleine Änderungen am Rad vorzunehmen, von denen ich denke, dass sie ihr das Spinnen mit dem alten Schätzchen erleichtern werden.  

Zunächst habe ich erst einmal alle rostigen Führungshaken am Spinnflügel ausgetauscht: rechts welche mit ca. 1cm Innendurchmesser und am linken Flügelarm wählte ich Schraubenhaken mit gut 14mm. Wenn man spinnt und das Rad üblicherweise rechts herum laufen lässt, empfehlt es sich, auch die Haken des rechten Flügelarmes zu nutzen. Beim Zwirnen bieten sich die linken Haken an, denn das Einzugsverhalten ist (eigentlich logisch) viel besser. Leider sind die originalen Haken besonders für richtig dicke Garne oft zu klein – obwohl die schönen großen Spulen ein riesiges Fassungsvermögen haben, werden sie daher kaum dafür benutzt. Eigentlich schade…

Darüber hinaus produzieren Spinnanfänger die viel zitierten „Schwangeren Regenwürmer“… wenn diese Erstlingsgarne verzwirnt werden, passen sie oft nicht reibungslos durch die unterdimensionierten Haken und/oder bleiben gern hängen. Daher verwende ich linksseitig gern größere Durchmesser.

Außerdem ist mir der Reibungswiderstand der Einzugsöffnung auf dem Lagerholz / der Messinglagerschale einfach viel zu groß: der Außendurchmesser ist 180Grad fest umschlossen, was zu immensem Einzug führt. Wenn man zusätzlich die „Irische Bremse“ mit dem breiten Leder nutzt, reißt das Spinnrad selbst geübten Spinnenden den Faden derart aus der Hand, das ein entspannter Auszug kaum möglich ist. Dünne Garne aus kurzen, glatten Stapellängen entspannt zu spinnen wird fast unmöglich… So habe ich die Auflagefläche drastisch reduziert und statt der Lagerschale en glattes, sehr dünnes Lederstück eingesetzt. Die Bremse wird so -beim Einzelfaden spinnen- fast überflüssig und kommt nur noch beim Verzwirnen zum Einsatz.

Das Knechtholz habe ich unten um gute 4,5cm gekürzt und die Knechtverbindung neu eingesetzt, um eine bessere Fußhaltung zu erreichen. Das Trittbrett stand im Originalzustand noch nicht einmal waagerecht sondern war gute 3cm nach unten geneigt. Die Fußspitze des Spinnenden wurde so in eine echte Überstreckung gebracht, die nach kurzer Zeit auf dem Spann und in der Wade zu spüren war. Jetzt steht das Brett in Ruhestellung bzw. am tiefsten Punkt so, dass die Fußspitze leicht nach oben zeigt, was en ermüdungsfreies und entspanntes Treten möglich macht.

Als letztes habe ich im oberen Standholz noch zwei mini Nuten eingefräst, in den man beim Wechseln der Spule den Antriebsriemen einlegen kann. So muss man nicht jedes Mal den Riemen wieder mühsam ums Antriebsrad legen… 

Liebe Nina, ich wünsche Dir viel Freude mit Deinem „S15“ !

 

INFOBOX:

Hersteller: Fa. Louët, Kwinkweerd 139, 7241CW Lochem, The Netherlands (Holland)

Technische Daten „S15“ 

  • Rahmen und Spinnkopfhalter aus Buchenholz
  • Trittbrett, Schwungrad und Spulenwirtelscheiben aus Birken-Multiplex
  • 75 H x 50 B x 35 cm T
  • Gewicht ?? KG  (gefühlt wie beim „S10“)
  • Tretmechanik: Einzeltritt rechtsseitig  
  • Einfädiger Antrieb / Polycord mit 0,4 cm Durchmesser, 1,6 Meter Länge
  • Übersetzungen: zwei Antriebsverhältnisse durch unterschiedliche Wirteldurchmesser an den alten Spulen von 1:5 und 1:6,5 (wie beim „S10“)
  • „Irische Bremse“ / Lederriemen-Bremse an der Einzugsöffnung, d.h. Flügelgebremst
  • metallener Spulenhalter „Lazy Kate“ für 2 Spulen, links am Standholz, abnehmbar
  • 3 Spulen mit ca. 150 Gramm Fassungsvermögen
  • Anriebsrad Durchmesser 50cm
  • Spinnöffnung Durchmesser 12mm / in 70 cm Höhe
  • Achse des Schwungrades kugelgelagert
  • Herstellungszeitraum: 1982–2001
  • Bausatzversion: 1984–1992 als Bausatz verfügbar
  • von 1998–2001 erneut als Bausatz „S16″ verfügbar (mit einigen Verbesserungen)
  • Varianten: Doppeltritt-Variante „S15DT“ (gebaut von 1998–2001)